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Das Ende einer persönlichen Ära

Im Zuge einer Lovelybooks-Challenge wurde für mich das Buch “Meine wundervolle Buchhandlung” von Petra Hartlieb ausgesucht. Eine schreckliche Wahl. Versteht ich nicht falsch, ich fand das Buch toll. Ich hätte es nur nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt lesen können. Denn während ich verfolge wie Petra Hartlieb und ihr Mann in Wien eine eigene Buchhandlung eröffnen und die Autorin von den Irrungen und Wirrungen eines Buchhändlerlebens erzählt, verbringe ich die letzten Stunden in diesem Beruf.

Morgen ist mein letzter Tag als Buchhändlerin. Mein letzter Tag, an dem ich Bücher verschlichte, Bücher suche, Bücher bestelle, Bücher nacherzähle, Bücher empfehle, Bücher als Geschenk verpacke und über den Ladentisch schiebe. Ab Freitag werde ich wieder auf der anderen Seite der Kasse stehen.

Ich weiß, es ist nicht das Ende der Welt. Kein Komet stürzt auf die Erde zu und verwandelt die Erde in eine einzige Feuersbrunst. Keine riesige Flutwelle löscht mich aus und ich werde nicht verhungern, weil die Klimaerwärmung die Produktion von Nahrungsmitteln unmöglich macht.

Trotzdem fühlt es sich so an, als wäre meine Zukunft die ewige Verdammnis. Und das nur, weil ich nicht mehr als Buchhändlerin arbeite. Weil ich nicht mehr jeden Tag neun Stunden zwischen Büchern unterschiedlichsten Genres verbringe und nicht mehr über Leute den Kopf schütteln kann, die den Laden betreten und fragen, ob wir denn auch Gartenschläuche führen. Vielleicht bin ich ein bisschen melodramatisch. Vielleicht werde ich diese Welt nach einem Monat schon gar nicht mehr vermissen. Ich weiß, dass ich jetzt jede Menge neue Möglichkeiten habe. Irgendwie bin ich ja auch bereit für das Neue. Ich habe auch gar keine Angst davor. Und ein weiterer positiver Punkt wäre natürlich, dass ich nicht so gut wie jeden Tag mit einem neuen Buch unter dem Arm nach Hause gehe. Und überhaupt heißt das ja nicht, dass ich nie wieder als Buchhändlerin arbeiten könnte, wenn ich wollte.

Es fühlt sich nur gerade so endgültig an, wenn ich mein Kästchen ausräume, die ganzen blöden Zettelchen mit lieben Nachrichten meiner Kolleginnen abziehe, meine ganzen Notizbücher einsammle und schaue, was ich an Leseexemplaren noch mitnehmen könnte. Wenn ich für die beiden Lehrmädchen noch Listen schreibe, was diese oder diese Stammkundin gerne liest und was man in diesem oder jenem Fall empfehlen könnte und wie man die drei Abteilungen, die ich bis jetzt betreut habe, richtig bestückt.

Das Ende einer Ära ist gekommen. Einer kleinen persönlichen Ära von ein paar wenigen, glücklichen Jahren, die ich tagtäglich zwischen einem ganzen Haufen liebgewonnener Menschen und großartiger Bücher verbringen durfte.

Mach’s gut, Buchhändlerjob.

2 thoughts on “Das Ende einer persönlichen Ära

  1. Fühl dich erst mal ganz lieb gedrückt ❤
    So ein Abschied ist immer ganz besonders schwer, wenn man sich so wohl gefühlt hat und ein bisschen Sentimentalität sei dir gestattet. Aber du solltest die letzten Stunden und schönen Momente auch genießen und wie ein Geschenk die Erinnerungen pflegen. Lehrt uns die Welt der Bücher nicht auch immer, dass nach jedem Schlussakt neue Abenteuer warten?

    Liebe Grüße

    Melanie

    Liked by 1 person

    1. Schöner hättest du es nicht ausdrücken können. Vielen, vielen Dank! :-*
      Dass ich gehe, weiß ich ja schon seit einigen Wochen, aber erst jetzt, wo morgen der allerletzte Tag ist, sinkt es so richtig ein. Aber jetzt wo die eine Geschichte zu Ende geht, werde ich mir die nächste vornehmen. Und die schönen Erinnerungen genießen.
      LG, m

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