Allgemein

Die Frage, die uns Svenja diese Woche im Zuge der Montagsfrage gestellt hat, hat mich ins Grübeln gebracht. Die Frage, ob wir mehrere Bücher gleichzeitig lesen oder schön eines nach dem anderen, habe ich beantworten können, ohne lange darüber nachzudenken. Ich lese gerne zwei Bücher auf einmal, vor allen Dingen, wenn die Bücher zu schwer sind, um sie in der Handtasche den ganzen Tag mit mir rumzuschleppen. Je länger ich allerdings darüber nachgedacht habe, desto mehr hat sich eine weitere Wahrheit herauskristallisiert.

Zu bestimmten Anlässen führe ich bestimmte Bücher mit mir. Vor allen Dingen zu den Bewerbungsgesprächen, zu denen ich in letzter Zeit aufgrund meiner Jobsuche immer wieder eingeladen werde. Oft ist es ein Klassiker, Jane Austen oder Charles Dickens. Oder aber ein dünner Gedichtband von Rainer Maria Rilke oder Joseph von Eichendorff. Irgendwann in den letzten Wochen habe ich mir angewöhnt diese für solche Gespräche mitzuführen. Manchmal zusätzlich zu meinem eReader, auf dem ein oder zwei Bücher vorhanden sind, auf die ich zurückgreife, wenn mal akut kein Lesestoff vorhanden ist. Wenn ich dann im Gespräch gefragt werde, was ich denn gerade lese, (das kommt öfter vor als man meint!) dann nenne ich immer den Klassiker oder den Gedichtband und kann ihn sogar als Beweis hervorziehen. Nicht selten ernte ich dafür beeindruckte Blicke. Und es ist ja nicht mal wirklich gelogen. Eichendorff ist mein Lieblingsdichter und ich kenne kein inspirierenderes Buch als “Briefe an einen jungen Dichter” von Rilke.

Trotzdem fühle ich mich jetzt, da ich ernsthaft darüber nachdenke, irgendwie schmutzig und oberflächlich.

Was geht es diese Leute an, wenn ich gerne blutige Thriller oder kitschige Liebesromane lese? Schäme ich mich etwa dafür, was ich lese. In der Öffentlichkeit, meine ich? Nein, eigentlich nicht. Mir egal, ob die Frau im Zug mir gegenüber mit hochgezogenen Augenbrauen den Titel meines Buches liest.

Wird jemals irgendein Fritze aus irgendeiner Personalabteilung überprüfen, ob ich noch andere Bücher in meinem Regal stehen habe als Gedichte und gehobene Literatur? Nein, wird er nicht.

Warum also verstelle ich mich? Warum gebe ich nicht offen zu, was für Genres ich lese? Als würde ich anders irgendwie weniger wert sein.

Geht es euch genauso? Gebt ihr auch manchmal vor bestimmte Bücher zu lesen, nur weil ihr euch Gedanken macht, was andere darüber denken?

Ich komme mir gerade so vor, als hätte man mich in einen Teeniefilm versetzt, wo sich jeder verstellt und am Ende erkennt, dass er sich nur selbst akzeptieren muss, um glücklich zu sein. Nur ohne die ganze Selbstakzeptanz, ich mag mich nämlich so wie ich bin ganz gerne. Trotzdem erschreckt mich diese klitzekleine Erkenntnis gerade ein bisschen. Wer will schon gerne von sich selbst denken, dass er oberflächlich ist?

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