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Rezension “Der Fall Jane Eyre”

Der Fall Jane Eyre

Titel: Der Fall Jane Eyre

Originaltitel: The Eyre Affair

Autor: Jasper Fforde

Verlag: dtv

Seitenanzahl: 375

ISBN: 978-3-423-21293-9

Inhalt: Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der Literatur so wichtig genommen wird, dass es eine Spezialpolizei gibt, um sie vor Fälschern zu schützen? Als Geheimagentin Thursday Next ihre neue Stelle in Swindon antritt, ahnt sie schon, daß ihr die größte Herausforderung ihrer Karriere bevorsteht: Niemand anderes als der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Brontë entführt, um Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England, das mit dem seit 130 Jahren tobenden Krimkrieg schon genug Sorgen hat. Aber Thursday Next ist eine Superagentin: clever und unerschrocken. Und wenn sie wirklich mal in die Klemme gerät, kommt aus dem Nichts ihr von den Chronoguards desertierter, ziemlich anarchistischer Vater, um für ein paar Minuten die Zeit anzuhalten.

Meinung: Ich bin mir nicht sicher, wo genau ich jetzt mit meiner Lobeshymne anfangen soll. Die Welt, die Jasper Fforde geschaffen hat, mag auf den ersten Blick verwirrend und gerade zu verrückt erscheinen, jedoch werden vor allen Dingen bibliophile Menschen sich wunderbar in diese Welt hineinversetzen lassen. Keine reale Welt könnte jemals so skurril und verrückt und irrsinnig sein wie das England, in dem die Hauptfigur Thursday Next lebt. Und doch macht beim Lesen doch alles irgendwie einen Sinn. Das Buch und so ziemlich alles, was darin passiert, ist verrückt und abenteuerlich, und doch hätte ich mich beim Lesen nie darüber beschweren können, dass da jetzt etwas absolut unsinnig ist – mal abgesehen von den Dingen, deren Unsinn absolut verständlich ist.

Der Autor lässt eine ungeheure Flut von, im wahrsten Sinne des Wortes, fantastischen Figuren auf uns los, die man alle irgendwie sofort ins Herz schließen muss – auch die Bösen. Und obwohl der Autor auch keinen Skrupel hat, die eine oder andere Figur einfach mal so umzubringen, kann man ihm deshalb doch nicht böse sein.

Das Tempo des Buches ist rasant. Es gibt praktisch keine Verschnaufpausen für den Leser, immer gibt es etwas Neues zu entdecken, herauszufinden, zu lernen. Man fliegt geradezu durch das Buch, obwohl es nicht leichtfertig auf der Seite zu lesen ist, da man ein gewissen Maß an Konzentration braucht, um den Faden nicht zu verlieren. Da kann einem schon mal entgehen, dass es kein dreizehntes Kapitel gibt, sondern dass an das zwölfte gleich das vierzehnte anschließt.

“Der Fall Jane Eyre” sprüht nur so vor Witz, Skurrilität und Liebenswürdigkeit, aber auch vor Action und unaufhaltsamer Spannung. Doch ich fürchte, dass diese Buchreihe nur was für Leute ist, die viel lesen und auch den einen oder anderen Klassiker verschlungen haben. Viele Witze, Anspielungen oder auch Teile der Handlung lassen sich nur gut verstehen, wenn man sich auch (wenigstens ein bisschen) mit Literaturgeschichte auskennt. Wenn man Charlotte Brontes “Jane Eyre” nicht gelesen hat oder zumindest die Figuren und die Handlung kennt, wird wenig Freude mit “Der Fall Jane Eyre” haben, was sicherlich ein Manko des Buches ist. Da ich “Jane Eyre” allerdings kenne und somit so ziemlich alle Anspielungen verstanden habe und auch dem Plot ohne Probleme folgen konnte, hatte ich sehr viel Freude mit diesem Buch und freue mich schon auf alle anderen Teile der Thursday Next-Reihe.

12 thoughts on “Rezension “Der Fall Jane Eyre”

    1. Hallöchen, Ulrike!
      Ich mochte “Der Fall Jane Eyre” sehr, auch wenn ich zwei Anläufe gebraucht habe, um es richtig genießen zu können. Wenn man nämlich “Jane Eyre” nicht gelesen hat, dann hat man so seine Schwierigkeiten mit dem Buch. Deshalb werde ich auch mit “In einem anderen Buch” noch warten. Ich will erst alle Facetten von Miss Havisham kennenlernen, bevor ich mir die Fforde-Version einpräge.
      Belesene Grüße, m

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      1. Ohne Klassikerkenntnisse ist man bei Thursday Next eindeutig verloren!
        Ich hatte “Große Erwartungen” als FILM gesehen, daher war mir Miss Havisham ein wenig vertraut.
        Selbstverständlich kann ein Film nur Charles Dickens light bieten 😉
        Herzliche Abendgrüße von Ulrike

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    1. Es ist auch ein großartiges Buch. 🙂 Allerdings hat man nichts davon, wenn man den Klassiker dazu nicht kennt. Ich hab das Buch damals angefangen und wusste nicht um die Geschichte von Jane Eyre, weshalb ich nicht mitgekommen bin und das Buch dann erst mal abgebrochen habe.

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      1. Aaaah, aber jetzt hast du Jane Eyre gelesen? Ich fand das so nett, wie sie immer den Leser anspricht. 🙂 Charlotte Bronte is mehr mein Fall als Jane Austen, obwohl ich generell eine Schwäche für viktorianische Lektüre habe. Emily Brontes “Sturmhöhe” fand ich dagegen extrem deprimierend. ICh kann mich noch erinnern, dass ich manchmal abgebrochen habe, weil mich das Buch so runtergezogen hat…

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  1. Tolle Rezi! Dieses Buch ist eins meiner absoluten Favoriten, ich liebe es! Und sowieso darf man die Next-Reihe auf keinen Fall verpassen 🙂
    Ich hatte Jane Eyre vorher nur zur Hälfte gelesen, wusste aber ziemlich genau, was Sache ist. Deshalb war es auch kein Problem für mich, die Anspielungen alle zu verstehen 🙂

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    1. Ich liebe das Buch auch. Ich freue mich schon unheimlich auf den nächsten Teil, habe mich aber entschlossen, dass ich zuerst “Große Erwartungen” lesen werde. Aber das liegt schon auf dem SuB, also wird es wohl nicht mehr lange dauern. 😉

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      1. Das werde ich vielleicht auch tun. Allerdings hat mein Mann schon alle Teile gelesen, ohne irgendwelches Wissen über klassische Literatur – und er hat trotzdem sehr gut durchgeblickt 😀 Vielleicht habe ich ja auch das Glück ;D

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  2. Oh das klingt wirklich richtig gut und witzig! Bin ja sehr gespannt, welche Figuren alles vorkommen! Kommt direkt auf meine Wunschliste! Danke für den tollen Tipp ♥

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