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#writingfriday

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Hallo, ihr Lieben!

Ich mache heute wieder bei Elizzys #writingfriday mit. Ich konnte mich zuerst nicht ganz entscheiden, was für ein Thema ich auswählen sollte. Ich hab mich aber jetzt für Lukas entschieden. Diese Satzvorgaben beflügeln immer meine Phantasie ganz besonders. 🙂

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Damit hatte Lukas nicht gerechnet, als er sah wie seine Schlafzimmertür langsam aufschwang. Seit ein lautes Geräusch im Erdgeschoss ihn aus dem Schlaf gerissen hatte, lag er mit pochendem Herzen da und lauschte auf weitere Geräusche und malte sich allerlei Horrorszenarien aus. Ein entflohener Häftling, der sich in ihrem Haus vor der Polizei verstecken wollte und die gesamte Familie als Geiseln nahm. Ein Einbrecher, der es auf die alten Schmuckstücke der Großmutter aus war. Jugendliche, die den Hühnerstall hinter dem Haus ausräumten, um Blutopfer für ihre dämonischen Rituale zu haben.
Aber als die Tür zu seinem Schlafzimmer dann tatsächlich aufschwang und Lukas Finger sich in die Bettdecke bohrten, war es nur die dämliche Katze seiner dämlichen Schwester, die den Kopf hereinsteckte und Lukas aus ihren gelben Augen musterte.
Lukas setzte sich auf und warf verärgert einen Poster nach der Katze.
“Blödes Vieh”, grummelte er und schwang die Beine aus dem Bett. “Hast wieder den Mülleimer ausgeräumt, was?”
Eigentlich nicht“, antwortete eine kühle Stimme in seinem Kopf. “Ich mache mir nichts aus Abfällen.
Lukas schrak zurück und bohrte überrascht mit dem Finger in seinem recht Ohr herum. Woher war diese Stimme gekommen? Drehte er denn jetzt schon vollkommen durch? Die Katze sah ihn hochnäsig an.
Da beschützt man jede Nacht das Haus vor Geistern und Monstern und verlangt auch nicht mehr als eine volle Futterschüssel und trotzdem wird man von euch niedrigen Menschen nur beleidigt. Komm jetzt, kleiner Mensch, du musst mir die Türe öffnen. Das Monster im Garten verjagt sich schließlich nicht von allein.
Lukas griff sich an den Kopf. Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein. Janas blöde Katze sprach mit ihm in seinem Kopf? Es musste die Katze sein, es war wohl kaum die Optimus Prime-Figur, die er in seinem Regal stehen hatte. Oder? Lukas warf der Figur im Halbdunkel einen schnellen Blick zu.
Kommst du jetzt?“, fragte die Stimme in seinem Kopf ungeduldig. “Der Garten?
Lukas schüttelte ungläubig den Kopf und tappste auf nackten Füßen zum Fenster. Der Garten hinter dem Haus war in helles Mondlicht getaucht, aber außer dem Hühnerstall und dem verrosteten Rasenmäher seines Großvaters war dort nicht zu sehen.
“Da ist nichts”, murmelte er. “Blödes Vieh.”
Die Katze fauchte und sprang mit einem Satz neben Lukas auf das Fensterbrett.
Dumme Menschen“, fauchte sie, “Haben die schlechtesten Augen von allen Lebewesen überhaupt und glauben trotzdem nur an das, was sie sehen. Ich werde es dir zeigen, kleiner Mensch. Du wirst sehen. Und dann wirst du wünschen niemals gesehen zu haben.
Bevor Lukas reagieren konnte, legte die Katze eine Pfote auf seine Hand und grub ihre Krallen in seinen Handrücken. Lukas holte zischend Luft und wollte die Katze abschütteln, aber ein kurzes Aufblitzen von draußen zog seine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Im Garten stand ein Monster.
Es war eine gigantische, ölig schwarz schimmernde Kreatur, die geduckt wie ein Raubtier unter dem Hollerstrauch lauerte, die Gliedmaßen angespannt. Auf seinem Rücken wucherten Tentakel wie bei einer Seeanemone, die hin und herschwangen und eigenständig etwas zu wittern schienen. Das Monster hatte den Kopf einer Raubkatze, mit Haut, die sich über leere Augenhölen spannte und gewaltige Kiefer mit Zähnen, die selbst aus dieser Entfernung groß wie Fleischermesser wirkten.
Mit einem Schrei stolperte Lukas zurück. Die Krallen der Katze hinterließen eine blutige Spur auf seinem Handrücken und er stieß gegen das Fußende seines Betts, bevor er auf den Boden sank.
“Wa-was ist das?”, wimmerte er und krallte die Hände in seine Bettdecke.
Ein leises Lachen erklang in seinem Kopf. Im Halbdunkel leuchteten die gelben Augen der Katze.
“Ich habe dich gewarnt. Die Monster, die euer Haus bedrohen sind echt. Und jetzt lass mich in den Garten.
“Aber wenn ich die Hintertür aufmache, kommt das Monster doch herein.”
“Ach, mach dir darüber keine Gedanken, kleiner Mensch. Ich werde mich schon um das Monster kümmern. Steh jetzt auf.”
Zitternd kam Lukas wieder auf die Beine. Seine Knie schlotterten und er musste sich an der Wand abstützen, während er der Katze nach unten zur Gartentür folgte, die mit gebogenem Schwanz vor ihm hertrottete.
Das Monster saß immer noch im Garten unter dem Hollerbusch. Es starrte die Hintertür an, als wartete es nur auf eine Gelegenheit ins Haus einzudringen und alle Bewohner mit Haut und Haaren zu verschlingen, während ihm der Speichel aus dem Maul tropfte und sich im Gras zu einer ekligen Pfütze sammelte.
Mach auf“, sagte die Katze in Lukas Kopf.
“Aber-aber das Monster wird dich fressen”, meinte Lukas fassungslos. Er mochte die dämliche Katze zwar nicht und ärgerte sie auch gerne mal, aber er hätte sie niemals einem hungrigen Monster zum Fraß vorgeworfen. “Außerdem wird es hereinkommen, wenn ich die Tür öffne.”
Die Katze machte ein Geräusch, das fast wie ein genervtes Zungenschnalzen klang.
Hättest du gestern nicht die Tür der Katzenklappe kaputt gemacht, wäre ich auch gar nicht darauf angewiesen, dass du die Hintertür für mich öffnest. Außerdem wird das Monster nur dann reinkommen, wenn ich es nicht aufhalte und den Bannkreis neu auflade und dann wird es dir leid tun, dummes Menschlein. Und jetzt MACH. AUF.
Mit einem Fauchen schlug sie ihre Krallen in Lukas Pyjamahose und dieser machte einen Satz nach vorne und schob den Riegel zurück. Der Spalt, den er die Tür öffnete, war gerade mal so breit, dass die Katze ihren Kopf durchquetschen konnte. Dann schloss er die Tür mit einem Knall und beobachtete durch das in die Tür eingelassene Fenster, wie die Katze sich in etwa drei Metern Entfernung zwischen dem Monster und dem Haus aufbaute und ungeduldig mit dem Schwanz schlug. Das rote Fell glänzte gräulich im Mondlicht und Lukas umklammerte die Klinke der Hintertür. Das geifernde Monster kam näher. Es schien die Katze als eine Art Leckerbissen zu sehen, mit dem man sich Appetit holte, bevor man eine ganze Familie fraß.
Lukas dachte darüber nach, nach oben zu rennen und seine Eltern zu wecken, aber er stand dort wie festgeklebt und konnte sich nicht rühren. Er konnte die Augen nicht von dem Monster und der Katze abwenden, die begonnen hatten sich zu umkreisen. Eigentlich hätte das Monster die Katze mit einem Happs verschlingen können, aber aus irgend einem Grund schien es zu zögern.
Dann holte es mit einer Pranke aus und schlug nach der Katze. Die Katze machte einen Satz und landete mit gesträubtem Fell. Sie stieß ein Jaulen aus und plötzlich leuchtete ihr Fell in einem hellen Blau. Lukas meinte elektrischen Entladungen zwischen ihren Schnurrhaaren zu sehen, während die Katze immer mehr Energie zu sammeln schien, bis sie heller schien als die Sommersonne. Mit einem weiteren schrillen Schrei stürzte die Katze vorwärts und warf sich auf das Monster, das mit seinen breiten Pranken nach ihr schlug, bei Kontakt mit der Leuchtkatze allerdings zurückwich. Es stieß tiefe, dunkle Laute aus, bei denen sich Lukas der Magen umdrehte, und machte kehrt. Mit einem letzten wütenden Brüllen in Richtung Haus setzte das Monster über den Gartenzaun und verschwand im Dickicht dahinter.
Lukas zitterte am ganzen Körper. Mit bebenden Fingern öffnete er die Tür, während die Katze draußen in einer geraden Linie den Garten abschritt, kurz am Hühnerstall schnupperte und dann zurück ins Haus trottete. Ihr Fell war wieder so rot wie zuvor und sie schaute Lukas mit einem Ausdruck an, den er nur als selbstgefällig beschreiben konnte.
“Ist es- ist es weg? Es kommt auch nicht wieder?”, flüsterte er. Plötzlich wirkte alles so totenstill.
Nun, nicht vor morgen Abend“, meinte die Katze in seinem Kopf und schleckte sich die Pfote. “Und jetzt hätte ich gerne ein Stück Fisch.

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Ha, diese Geschichten machen einfach Spaß! 😀 Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, meine Lieben!

11 thoughts on “#writingfriday

  1. Meine Liebe, das ist eine großartige Geschichte! Ein Monster im Garten, wie gruselig! Thematisch hat mich die Geschichte sehr an eine meiner liebsten von Neil Gaiman erinnert, da beschützt eine schwarze Katze ein Haus und seine Bewohner vor dem Teufel und kämpft mit ihm. 🙂

    Liebe Grüße!
    Gabriela

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    1. Hallo, Gabriela!
      Echt? Ich hab noch nie was von Gaiman gelesen, auch wenn ich mich sehr für Neverwhere interesssieren würde. Mist, und ich kam mir soooo originell vor. 😀
      Vielen Dank für deine lieben Worte. ❤
      LG, m

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      1. Ohhh dann musst du das nachholen! ICH LIEBE IHN. 😅 besagte Geschichte befindet sich in der Kurzgeschichtensammlung Smoke&Mirror / Die Messerkönigin 🙂 Neverwhere war aber auch toll! Wie auch deine Geschichte 😊

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  2. Oh wow, diese Geschichte ist der absolute Wahnsinn! 🙂
    Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, so sehr hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen. Eine Katze, die das Haus und seine Bewohner vor Monstern beschützt, die diese nicht sehen können – ein richtig guter Einfall! ❤

    Liebste Grüße,
    Ida

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    1. Hallo, Ida!
      Vielen, vielen Dank. ❤ Ich freu mich sehr, dass dir die Geschichte so gut gefallen hat. 😀
      Ich dachte mir, wenn Katzen Erdbeben voraussagen können, warum sollten sie dann nicht auch Übernatürliches spüren/sehen können. 😉
      Hab einen schönen Abend! ❤
      LG, m

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    1. Danke, Smarty! ❤ Ich freu mich, dass du die Geschichte magst. 🙂
      Ich denke, Sherlock denkt sich öfters "Hoooooman, wo ist meine Maus?" und so. Ich glaube, du weißt ziemlich genau, was der Gute so im Sinn hat. 😉
      LG, m

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  3. Hach, das erinnert mich daran, dass ich mal eine Art Katzen-Tagebuch einführen wollte. So mit den bitterbösen (aber auch lieben) Gedanken aus der Welt einer Katze :3

    Feine Idee und Umsetzung!

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      1. Auf erste Nachfragen im näheren Umfeld wurde sehr erfreut reagiert. Glaub der Startschuss wird bald fallen XD

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