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Rezension “Mord im Pfarrhaus”

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Titel: Mord im Pfarrhaus
Originaltitel: Murder at the vicarage
Autor: Agatha Christie
Reihe: Miss Marple #1
Verlag: Atlantik
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3455650075
Format: Taschenbuch

Inhalt: Vor wenigen Stunden hat Pfarrer Clement noch gesagt, der Menschheit würde ein großer Dienst erwiesen, wenn jemand Kirchenvorsteher Colonel Protheroe ins Jenseits befördere – nun ist Protheroe tatsächlich tot und Pfarrer Clement in einer unangenehmen Situaion. Zum Glück führt das seitliche Tor der Pfarrei direkt in den Garten von Miss Marple, die die Ermittlungen aufnimmt.

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Meinung: Meinen allerersten Agatha Christie-Roman habe ich mir damals aus der Schulbücherei ausgeliehen. Sie hatten nur ein Buch, irgendwo in der Mitte der Reihe und alles was ich bis dato über Miss Marple wusste, kannte ich aus der Serie mit Margaret Rutherforth. (Später bin ich drauf gekommen, dass Agatha Christie die Serie nicht besonders mochte.) Ich muss gestehen, ich erinnere mich nicht mehr, worum es in dem Buch ging. Dies ist auch der Grund, warum meine Sichtweise auf den ersten Teil der Reihe absolut frisch war. Ich hatte nur grobe Vorstellungen davon, was mich erwarten würde und war sehr gespannt. Und Mann, wurde ich überrascht.

Wenn es eine ganze Reihe rund um eine Figur gibt, müsste man doch eigentlich annehmen, dass diese Figur im Vordergrund steht und aus dieser Sichtweise erzählt wird, nicht wahr? HA! Das war bereits das erste, was mich ziemlich ins Strudeln gebracht hat. Das Buch wird in der Ich-Perspektive vom Pfarrer erzählt, in dessen Haus ein Mord geschieht. Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet.
Miss Marple ist mehr ein Nebencharakter. Eine Figur, die von den meisten Charakteren als unangenehm angesehen wird, da sie immer über alles Bescheid weiß und kein Geheimnis vor ihr sicher ist, egal wie pikant oder gut gehütet. Der Hauptaugenmerk des Buches liegt sicherlich auf den Figuren. Man hält sich nicht viel mit Umgebungbeschreibungen auf, es sei denn das Drumherum ist für die Handlung maßgeblich relevant. Hier wird schon mal eine gezeichnete Karte gezeigt, um unnötige Beschreibungen zu umgehen und alles möglichst schnell zu vereinfachen.

Ich kann zur Handlung nicht zu sehr ins Detail gehen. Zwar findet man immer wieder Schnipsel zu den Hintergründen und Privatleben der Figuren, aber dies hält sich in Grenzen. Es geht wirklich fast nur um den Fall. Ich meine das nicht negativ. Das Buch ist derartig fesselnd und spannend, dass man gar nicht anders kann, als mitzurätseln. Es ist ein richtiges Whodunit, was irgendwie logisch ist, denn Agatha Christie hat dieses Genre maßgeblich mitgeprägt. Ich habe einiges an Erfahrung mit Krimis und habe deshalb ein recht gutes Gespür dafür, wie sich ein Krimi entwickeln und wer der Täter sein könnte. Bei “Mord im Pfarrhaus” ist mir das nicht gelungen. Die Autorin hat mich die ganze Zeit an der Nase herumgeführt. Immer wenn ich dachte, die Lösung gefunden zu haben, tauchte etwas Neues auf, ein Beweisstück, eine neue Erkenntnis, eine Beobachtung von Miss Marple oder ein von ihr absolut logischer Schluss, der meine Überlegungen zunichte machte. Es war zum Haareraufen und gleichzeitig eine kleine Droge, ein stures “Jetzt will ich es aber wissen”. Trotzdem konnte ich den Täter nicht erraten, egal wie ich mich angestrengt habe, obwohl mir hinterher klar wurde wie klug die Hinweise auf den Täter verstreut waren und man sie eigentlich finden hätte können. Der Aha-Effekt war frustrierend und faszinierend zugleich.

Ich werde die Reihe definitiv weiterverfolgen. Agatha Christie ist zurecht die Queen of Crime und ich empfehle wirklich jedem – Krimifan oder nicht – sich einmal eines ihrer Bücher zu Gemüte zu führen, sei es nun Miss Marple, Hercule Poirot oder einen der Einzelbände.

3 thoughts on “Rezension “Mord im Pfarrhaus”

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